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Halvers
Kolumne

 
11.04.2024

Gold ist die Absicherung gegen alles und hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht

Gold glänzt wie nie zuvor. Die üblichen Verdächtigen für den Höhenrausch sind Inflation und Überschuldung. Doch kommen unabhängig davon zusätzliche geopolitische Argumente hinzu, die im Trend weiter für Gold sprechen.

„Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.“

Dieser Refrain eines Songtextes von Marius Müller-Westernhagen passt auf die Inflation wie die Faust aufs Auge. Der zwischenzeitliche Preisrückgang mag für Entspannung sorgen. Doch werden die weltweit schuldenfinanzierten, üppigsten Konjunkturprogramme aller Zeiten, zunehmender Protektionismus, steigende Rohstoffpreise und die hohen Lohn- und staatlichen Gebührenerhöhungen wie eine heiße Kartoffel an Kundschaft und Bürger weitergeben.

Überhaupt, die seit Ende 1981 fast 40 Jahre im Trend anhaltende Desinflation war eine einmalige, in der Menschheitsgeschichte untypische Happy Hour, für die es keine Zugabe gibt. Insgesamt ist die hässliche Fratze der Inflation allgegenwärtig, zumal die offiziellen Preissteigerungsraten mit der höheren tatsächlichen wenig gemein haben.

Früher war mehr Lametta bei der Inflationsbekämpfung

Dennoch ist der Zinserhöhungszyklus in Amerika und im Euroraum beendet und wird ab Sommer - wenn auch weniger opulent - der Umkehrschub eingeleitet. Ohnehin schwimmen Amerikas Banken immer noch in gewaltigen Überschussreserven von ca. 3,2 Bill. US-Dollar und damit 1,7 Bill. mehr als vor der Lehman-Pleite. Es ist zu erwarten, dass die Inflationsraten dies- und jenseits des Atlantiks sich bei ca. 3 Prozent, wenn nicht sogar höher einpendeln werden. Notenbanken werden zwar ihren harten verbalen Kampf für Preisstabilität fortsetzen, aber ihnen keine entsprechenden Taten folgen lassen. Wer will schon schlafende Rezessions- und Schuldenkrisen-Hunde wecken? Und unsere Schuldenminister - früher nannte man sie noch Finanzminister - freuen sich über möglichst hohe Inflation wie Hunde über Leckerlies. So wird die Zinsbelastung versüßt.  

Und Preissteigerungen, die nicht konsequent bekämpft werden, greifen dem inflationsgeschützten Sachkapital Gold weiter unter die Arme.

Die Geopolitik als neuer gewaltiger Treiber der Gold-Rallye

Neben diesen Absicherungsklassikern machen geopolitische Konflikte und Krisen wie der Gaza-Krieg, der Versuch der Huthi-Rebellen, den Suezkanal zu blockieren, die Frage, welcher ältere Herr nächster US-Präsident wird und was er dann anrichtet, vor allem aber der Basiskonflikt zwischen Amerika und China Gold zum allgemein ultimativ sicheren Hafen.

Washington hat selbst einen neuen Goldtreiber ins Leben gerufen. Bei Ausbruch des Ukraine-Kriegs haben die USA etwa 300 Mrd. US-Staatsanleihen, die sich im Besitz Russlands befinden, eingefroren. Jetzt überlegen sie ernsthaft, diese russischen Vermögenswerte zu verwerten, um so die amerikanische Militärhilfe für die Ukraine zu finanzieren. Wenn es so weit käme, würden viele Emerging Markets - aus Angst, dass ihnen das gleiche Schicksal wie Russland passiert - Gold den US-Bonds immer mehr vorziehen. Denn als physisches Reservevermögen ist es vor digitaler Beschlagnahmung durch Amerika sicher. Ohnehin treibt China seine Unabhängigkeitsbewegung von US-Zinspapieren massiv voran.

In der Folge würde auch die Bedeutung der Weltleitwährung US-Dollar geschwächt. Relativ mag er gegenüber einem Korb aus sechs Währungen stabil sein, da andere Länder wirtschaftlich schlechter dastehen als die USA.

Doch zeigt sich wahre Stärke erst dann, wenn man im Vergleich zur härtesten Währung der Welt stark ist: Gold. Und das ist nicht der Fall. Wenn Gold von 2.000 auf 2.300 US-Dollar je Unze steigt, heißt dies de facto, dass der Dollar von 1/2.000 je Unze auf 1/2.300 gefallen ist.  

Gold hat endgültig die höheren Weihen erhalten

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Finanzwelt Gold ähnlich erwirbt wie im Schlussverkauf. So vermehren die Notenbanken ihre Bestände monatlich um über 200 Tonnen. Gleichzeitig blieben die Minenproduktion und das Recycling von Gold in den letzten knapp 10 Jahren konstant. Die Nachfrage der Notenbanken wirkt wie das Sicherheitsnetz unter den hoch im Zirkuszelt herumwirbelnden Artisten. Ein massiver Aufprall wird verhindert. 

Diese Hurra-Stimmung für Gold wird nicht zuletzt durch die rekordhohen Netto-Long Positionen am Terminmarkt befeuert. Das lange zurückgebliebene Gold hat gegenüber Aktien Nachholbedarf. Und eine gewisse Korrelation von Gold zu Bitcoin ist auch nicht zu leugnen. Genau hier lauern allerdings die Gefahren für Konsolidierungen, wenn die Welle der Euphorie bricht, z.B. die Zinssenkungsfantasie in den USA zwischenzeitlich fantasieloser wird.

Doch genau darauf scheint der Goldpreis immer weniger zu reagieren. Gold ist zinsunelastisch geworden, was dafürspricht, dass die geopolitischen Argumente für das Edelmetall an Einfluss gewinnen.  

Insgesamt sprechen die genannten Argumente mittelfristig unter Schwankungen für eine weitere Befestigung des Goldpreises bis 3.000 US-Dollar.

Der von Gerd Fröbe gespielte Bösewicht Auric aus dem James Bond-Film „Goldfinger“ hätte seine wahre Freude an der Entwicklung des Goldpreises. Ein Filmzitat von ihm lautet: "Das ist Gold, Mr. Bond. Schon mein ganzes Leben lang hab ich seine Farbe geliebt, seinen Glanz, seine göttliche Schwere." Einer gewissen Anziehungskraft kann man sich tatsächlich kaum entziehen.

Und Silber?

Der kleine Bruder von Gold ist dabei, ein Mehrjahreshoch zu erklimmen. Historisch folgt Silber der Goldpreisentwicklung, allerdings deutlich schwankungsintensiver. Sein Vorteil ist es, dass es neben Edel- auch Industriemetall ist. In dieser Funktion wird es ebenso bei der Energiewende verbraucht. Und es ist noch weit entfernt von seinem Allzeithoch von 50 US-Dollar je Unze aus dem Jahr 2011.

Die Anleger sollten neben Gold auch ein Herz für Silber haben.